Ich schreibe an meine Tochter und über Borderline

Diese Worte haben mich bis ins Mark getroffen. Und auch wenn übertrieben und im Affekt gesprochen, ist doch etwas sehr Wahres dran.

Obwohl du die Jüngere bist, nimmst du ständig Rücksicht auf deine Schwester. Du musst all die Streitereien und heftigen Eskalationen in unserem Zuhause aushalten, ohne jemals der Auslöser zu sein. Du erträgst, dass wir dich in diesen Momenten nicht beachten, weil unsere ganze Aufmerksamkeit auf deine Schwester gerichtet ist. Du fühlst dich ausgeschlossen, weil wir möchten, dass du dich in diesen Momenten raushältst (weil wir dich beschützen wollen). Du spürst, wie meine ständige Sorge um deine Schwester kreist und was für einen Eiertanz ich aufführe, um es bloß nicht zum Konflikt kommen zu lassen. Du hast das Gefühl, dass ich so belastet bin, dass du mit deinen Problemen nicht zu mir kommen kannst. All das ist total gerechtfertigt. So sehr ich mich auch bemühe, bin ich so gefordert, dass ich darauf vertraue, dass du mir sagst, wenn du etwas brauchst, wenn etwas nicht stimmt, wenn es dir nicht gut geht. Ja, ich beobachte dich und denke sehr viel über dich nach. Aber in turbulenten Zeiten ist meine Aufnahmefähigkeit getrübt, und ich kann dich nur um Geduld und Verzeihung bitten und dir für die Kraft danken, die du beweist. Was für ein besonderer Mensch du bist: so empathisch, großzügig, positiv und geduldig. Ohne dich wäre diese Familie vollkommen aufgeschmissen. Und auch das ist eine Bürde, die du nicht tragen solltest.

Hinterlasse einen Kommentar