Ich schreibe an meine Tochter und über Borderline

Wir wussten schon immer, dass Z. anders ist. Aber es gab immer die Hoffnung, dass sich gewisse Dinge „rauswachsen“. Sie hat auch immer funktioniert, ja, das Kind war nicht kaputt. Aber in den letzten Monaten und Jahren eben deutlich beschädigt. Es gab keinen Namen für das Problem, keine klares Bild. Aber viel Einsamkeit, Wut, Konflikt und Erschöpfung.

Jetzt haben wir einen Namen dafür, und zwar den schlimmsten. Als ich mich zum ersten Mal eingehend mit den Kriterien für Borderline beschäftigt hatte, musste ich weinen. Können wir nicht eine Depression bekommen? Oder ein paar Panikattacken? Muss es so eine perfide,zerstörerische, selbstsabotierende, komplizierte, vielschichtige, stigmatisierende Persönlichkeitsstörung sein? Hat sie eine Chance, da jemals wieder rauszukommen?

Aber da war auch Erleichterung. Endlich verstehen, warum sie ist, wie sie ist. Endlich die Chance, etwas zu ändern. Und auch die Erkenntnis, dass man als Eltern nicht alles falsch gemacht hat.